Skip to main content

Unternehmensengagement in
Rheinland-Pfalz

Ergebnisse aus dem Monitor Unternehmensengagement 2025

Unternehmensengagement in Rheinland-Pfalz (Cover der Studie)

Die Studie untersucht auf Basis des Monitors Unternehmensengagement 2025 das Engagement von kleinen, mittleren und großen Unternehmen in Rheinland-Pfalz. Unter Unternehmensengagement werden in dieser Studie alle gemeinwohlorientierten Aktivitäten von Unternehmen verstanden, die über ihre originäre Geschäftstätigkeit sowie gesetzliche Vorgaben hinausgehen und folglich freiwillig sind. Der Monitor Unternehmensengagement 2025 wurde auf Grundlage einer bundesweiten Stichprobe von 125.000 Unternehmen erhoben, von denen nach Datenbereinigung 4.431 verwertbare Fragebögen vorliegen (281 Unternehmen mit Sitz in Rheinland-Pfalz).

Neben der Darstellung von Befunden zu Umfang, Formen, Bereichen und Mehrwerten des Engagements nimmt der Bericht bestimmte Fokusthemen näher in den Blick: Dazu zählen das Engagement im Bildungsbereich, für den Klimaschutz oder auch für demokratische Werte. Ausgehend von den Befunden werden abschließend konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis abgeleitet.

Damit bietet die Studie Unternehmen eine wichtige Orientierungshilfe für die gezielte Weiterentwicklung ihres Engagements. Gleichzeitig liefert sie Erkenntnisse für Akteure der Engagementförderung, die die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung stärken wollen. Für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung stellt sie eine solide Datenbasis bereit, um bestehende Rahmenbedingungen zu verbessern, sektorübergreifende Potenziale zu fördern und Kooperationen zu stärken.

Die im Herbst 2025 veröffentlichte Studie wurde von ZiviZ im Stifterverband im Auftrag der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz erstellt.

 

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

  • Unternehmensengagement ist vielfältig, aber im Zeitverlauf leicht rückläufig
    Unternehmen in Rheinland-Pfalz engagieren sich auf unterschiedliche Weise für das Gemeinwohl. Am häufigsten leisten sie Geld- und Sachspenden, daneben sind auch Freistellungen von Beschäftigten, Nutzungsüberlassungen und kostenlose Dienstleistungen weit verbreitet. An Bedeutung gewonnen haben in den vergangenen Jahren das Anpacken bei konkreten Anlässen sowie die Umsetzung eigener Engagementprojekte. Ein auffälliger Rückgang zeigt sich hingegen bei den Freistellungen von Beschäftigten für freiwilliges Engagement. Diese werden im Vergleich zu einer früheren Erhebung im Jahr 2018 seltener praktiziert, gerade von kleinen Unternehmen.
     
  • Spendenvolumen mit großer Spannbreite
    Geldspenden sind weiterhin die am häufigsten praktizierte Form des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen. Die Spendensumme eines Unternehmens hängt erwartungsgemäß eng mit dem Jahresumsatz zusammen. Größere Unternehmen spenden höhere Beträge. Gleichwohl zeigen sich innerhalb der Gruppe der Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen deutliche Unterschiede: Während knapp die Hälfte mehr als 50.000 Euro jährlich spendet, sind es bei einem Drittel lediglich bis zu 10.000 Euro. Dies verdeutlicht die Potenziale, durch gezielte Ansprache und gute Rahmenbedingungen zumindest von einem Teil der Großunternehmen zu höheren Spendenbeträgen zu motivieren.
     
  • Thematische Verschiebungen: Bildung verliert, Krisenfelder gewinnen
    Die gesellschaftlichen Bereiche des Unternehmensengagements sind vielfältig, haben sich in den vergangenen Jahren aber teils verändert. Zwar bleibt der Sport das häufigste Engagementfeld (68 Prozent der Unternehmen engagieren sich in diesem Bereich), gefolgt von Freizeit und Geselligkeit (51 Prozent) sowie Bildung und Erziehung (45 Prozent). Deutlich häufiger als in der Vergangenheit sind Unternehmen jedoch inzwischen im Bereich Bevölkerungs- und Katastrophenschutz aktiv. Dort hat sich der Anteil der engagierten Unternehmen mit inzwischen 37 Prozent seit 2018 mehr als verdoppelt, nicht zuletzt infolge von Krisenerfahrungen wie der Flutkatastrophe im Ahrtal. Auch der Klimaschutz hat in den vergangenen Jahren als Engagementfeld an Bedeutung gewonnen. 16 Prozent der Unternehmen engagieren sich inzwischen in diesem Bereich. Besonders verbreitet sind Maßnahmen zur Förderung klimafreundlicher Mobilität sowie zur CO₂-Kompensation. Ein Engagement über interne Maßnahmen im Unternehmen hinaus, wie etwa die Förderung von Klimaschutzbildung oder die Beteiligung an Allianzen, ist jedoch seltener festzustellen.
     
    Tendenziell rückläufig ist der Anteil der im Bereich Bildung und Erziehung engagierten Unternehmen. Dieser liegt drei Prozentpunkte unter dem Wert von 2018. Inhaltlich konzentrieren sich Unternehmen in diesem Bereich auf die Förderung sozialer Kompetenzen wie Teamfähigkeit, auf MINT-Kompetenzen sowie unternehmerisches Denken.
     
  • Lokale Ausrichtung, vielfältige Zielgruppen und zivilgesellschaftliche Kooperationen
    Das gesellschaftliche Engagement der Unternehmen in Rheinland-Pfalz ist überwiegend lokal ausgerichtet. Mehr als drei Viertel der engagierten Betriebe sind im unmittelbaren Umfeld ihres Standortes aktiv. Am häufigsten adressiert werden dabei Kinder und Jugendliche, mit großem Abstand folgen eigene Beschäftigte, finanziell schlechter gestellte Menschen, Familien und Menschen mit Behinderung. 38 Prozent der Unternehmen geben jedoch an, keine spezielle Zielgruppe im Fokus zu haben. Viele Unternehmen kooperieren mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, insbesondere mit Vereinen, aber auch mit Wohlfahrtsverbänden, staatlichen Einrichtungen oder Stiftungen. Doch auch hier zeigen sich Potenziale für eine intensivere Kooperation zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft: Bislang engagiert sich etwa jedes fünfte Unter-nehmen ohne Kooperationspartner.
     
  • Breite Zustimmung zur Förderung demokratischer Werte, seltener jedoch eigene Aktivitäten
    Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen wird auch die Frage nach der Rolle von Unternehmen bei der Förderung demokratischer Werte verstärkt diskutiert. Zwar befürwortet eine deutliche Mehrheit der Unternehmen ein öffentliches Bekenntnis zu demokratischen Werten, konkrete Aktivitäten – wie Beteiligung an Kampagnen oder interne Projekte zur Demokratieförderung – sind jedoch selten. Viele Unternehmen fürchten negative Auswirkungen auf ihr Geschäft: Fast die Hälfte betrachtet politische Positionierungen als potenziell geschäftsschädigend. Größere Unternehmen zeigen sich bei der Umsetzung konkreter Maßnahmen zur Demokratiestärkung deutlich aktiver als kleine und mittlere Betriebe.
     
  • Personalbezogene Mehrwerte rücken stärker in den Fokus
    Gesellschaftliches Engagement bringt für Unternehmen verschiedene Mehrwerte mit sich. Während die Verbesserung oder Pflege der Marke beziehungsweise des Unternehmensimage weiterhin eine wichtige Rolle spielt, gewinnen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des daraus resultierenden Fachkräftemangels personalbezogene Aspekte an Bedeutung. Im Vergleich zu 2018 betonen Unternehmen häufiger positive Mehrwerte eines Engagements für die Arbeitgeberattraktivität, die Bindung der Beschäftigten an das Unternehmen sowie die Förderung von Kompetenzen in der Belegschaft. Diese und weitere strategische Mehrwerte eines gesellschaftlichen Engagements für Unternehmen sichtbar zu machen, könnte ein wichtiger Anreiz sein, Unternehmen vermehrt zum Engagement zu motivieren.
     
  • Stabiles Engagementniveau mit punktuellem Ausbau
    Knapp jedes sechste Unternehmen plant, sein Engagement künftig auszubauen. Die Mehrheit möchte den aktuellen Umfang der Aktivitäten zumindest beibehalten. Als förderliche Rahmenbedingungen für eine stärkere Beteiligung nennen Unternehmen vor allem finanzielle Anreize und eine verstärkte Initiative der Beschäftigten. Als hemmend werden insbesondere bürokratische Anforderungen sowie eine angespannte wirtschaftliche Lage wahrgenommen.
     

 

Autorin und Autor der Studie

Dr. Peter Schubert

Dr. Peter Schubert

Leitung der Geschäftsstelle

T 030 322982-576

E-Mail senden
Back to top